Tropfengröße und Düsenwahl
ASABE-S572-Tropfenklassen von sehr fein bis ultra grob, Benetzung gegen Abdrift und wie Sie die Tropfenklasse an Wind und Delta T anpassen.
Die Tropfengröße ist der Teil der Abdriftkontrolle, den der Anwender am direktesten in der Hand hat. Düsentyp, Bohrungsgröße und Druck bestimmen zusammen die Spritzqualität – das Spektrum der erzeugten Tropfengrößen – und die entscheidet sowohl darüber, wie gut das Mittel das Ziel benetzt, als auch darüber, wie viel davon abzudriften droht.
ASABE-Tropfenklassen
Der Standard ASABE S572 der American Society of Agricultural and Biological Engineers (mehrfach überarbeitet; die Ausgabe S572.1 wird noch häufig zitiert) klassifiziert die Spritzqualität, indem er den Ausstoß einer Düse mit Referenzdüsen vergleicht. Düsenhersteller veröffentlichen die Klasse für jede Düse bei jedem Druck. Von fein nach grob lauten die Klassen:
- Extrem fein (XF)
- Sehr fein (VF)
- Fein (F)
- Mittel (M)
- Grob (C)
- Sehr grob (VC)
- Extrem grob (XC)
- Ultra grob (UC)
Viele Gebrauchsanleitungen schreiben eine Tropfenklasse vor, meist als Mindestwert wie „mittel oder gröber“ oder „grob oder gröber“, um die Abdrift zu begrenzen. Die Gebrauchsanleitung hat Vorrang.
Benetzung gegen Abdrift
Kleinere Tropfen ergeben mehr Tropfen pro Liter und eine bessere Benetzung, was für Kontaktmittel und kleine Ziele wie Insekten, Pilzsporen oder schmale Grasblätter wichtig ist. Sie fallen aber langsam, verdunsten schnell und werden vom Wind weit getragen.
Größere Tropfen fallen schnell und widerstehen Abdrift und Verdunstung, ergeben aber weniger Tropfen pro Flächeneinheit. Sie können von schwer benetzbaren Blättern abprallen, und die Benetzung kleiner oder senkrechter Ziele kann schlechter ausfallen.
Als allgemeines Muster verbinden Beratungsunterlagen feinere Tropfen mit Kontaktfungiziden und -insektiziden, die eine gründliche Benetzung brauchen, und gröbere Tropfen mit systemischen Herbiziden, die in der Pflanze verlagert werden. Die Empfehlung der Gebrauchsanleitung geht vor.
Tropfenklasse und Wetter abstimmen
- Wind. Steigt der Wind, wechseln Sie auf eine gröbere Klasse. Feine und sehr feine Spritzungen eignen sich nur bei schwachem Wind. Siehe Windgeschwindigkeit beim Spritzen.
- Delta T. Ist Delta T hoch, schrumpfen die Tropfen im Flug; eine gröbere Ausgangsgröße hilft ihnen also anzukommen. Im grenzwertigen Bereich von 8–10 °C werden meist gröbere Tropfen empfohlen. Siehe Delta T.
- Inversion. Eine gröbere Klasse verringert den Feintropfenanteil, macht das Spritzen unter einer Inversion aber nicht akzeptabel.
Düsen und Druck
Bei einer gegebenen Düse erzeugt höherer Druck in der Regel feinere Tropfen und niedrigerer Druck gröbere. Injektordüsen saugen Luft in die Flüssigkeit und erzeugen größere, luftgefüllte Tropfen mit weniger Feinanteil. Prüfen Sie in der Herstellertabelle die Klasse bei Ihrem Arbeitsdruck und denken Sie daran, dass verschlissene Düsen sowohl den Ausstoß als auch das Spritzbild verändern. Drohnen nutzen eigene Düsen- oder Rotationszerstäubersysteme; die Tropfengröße wird laut Hersteller in den Einstellungen der Drohne oder über die montierte Düse festgelegt.
Weiterführende Literatur
- Best Practices for Effective and Efficient Pesticide Application — Ohio State University Extension (englisch)
- Selecting the Best Nozzle for the Job — Ohio State University Extension (englisch)
In PulveCast
PulveCast verwendet sechs dieser Klassen – sehr fein, fein, mittel, grob, sehr grob und ultra grob –, um das Abdriftrisiko gegen den vorhergesagten Wind zu bewerten. Im Automatikmodus geht es von der idealen Klasse Ihrer Kultur-Voreinstellung aus (mittel für die meisten, grob für Baumwolle, fein für Kaffee) und schlägt eine gröbere vor, wenn der Wind es erfordert.
Weitere Ratgeber
- Delta T beim Spritzen: was es ist und warum 2 bis 8 °C
- Delta-T-Tabelle: so lesen Sie sie
- Temperaturinversion und Spritzen
- Abdrift: Ursachen und wie Sie sie reduzieren
- Windgeschwindigkeit beim Spritzen
- Die beste Tageszeit zum Spritzen
- Luftfeuchte und Taupunkt beim Spritzen
- Regen und Spritzen: Regenfestigkeit und Vorhersage
- Temperatur und Spritzen
- Wetter für die Applikation mit Drohnen
- Kp-Index, RTK und GNSS für Drohnenpiloten im Pflanzenschutz
- Checkliste vor dem Spritzen
Häufige Fragen
Welche ASABE-Tropfenklassen gibt es?
Von fein nach grob: extrem fein, sehr fein, fein, mittel, grob, sehr grob, extrem grob und ultra grob. Die Hersteller veröffentlichen, welche Klasse jede Düse bei jedem Druck erzeugt.
Verringern grobe Tropfen die Abdrift?
Ja. Größere Tropfen fallen schneller und verdunsten langsamer, sodass weniger von der Zielfläche getragen werden. Der Preis dafür sind weniger Tropfen pro Fläche und möglicherweise eine schlechtere Benetzung kleiner Ziele.
Welche Tropfengröße sollte ich für Herbizide verwenden?
Folgen Sie der Gebrauchsanleitung, die oft eine Mindestklasse festlegt. Als allgemeines Muster vertragen systemische Herbizide gröbere Tropfen gut, während Kontaktmittel für die Benetzung meist feinere Tropfen brauchen.