Windgeschwindigkeit beim Spritzen
Der empfohlene Windbereich beim Spritzen, warum Windstille auch ein Problem ist, Böen, Windrichtung und wie sich der Wind für Drohnen mit der Höhe ändert.
Der Wind ist der Faktor, der am direktesten entscheidet, ob die Spritzbrühe auf der Zielfläche landet. Zu viel, und die Tropfen werden fortgetragen; zu wenig, und es kann eine Inversion vorliegen, die feine Tropfen in der Luft hält. Ziel ist eine leichte, gleichmäßige Brise, die von allem Empfindlichen wegweht.
Der allgemein empfohlene Bereich
Beratungsunterlagen nennen häufig eine Windgeschwindigkeit von etwa 3 bis 15 km/h (rund 2 bis 10 mph), gemessen auf Ausbringhöhe. Manche Gebrauchsanleitungen legen einen eigenen Bereich fest – zum Beispiel schreiben einige Herbizid-Etiketten in den USA 3 bis 10 mph auf Gestängehöhe vor – und manche setzen nahe empfindlicher Bereiche ein niedrigeres Maximum. Gebrauchsanleitung und örtliche Vorschriften haben immer Vorrang.
Innerhalb dieses Bereichs steigt das Abdriftrisiko mit dem Wind weiter an, daher hängt die richtige Tropfenklasse vom Wind ab:
- Am unteren Ende funktionieren die meisten Düsen gut.
- Zum oberen Ende hin ist meist eine gröbere Tropfenklasse nötig – siehe Tropfengröße und Düsen.
- Oberhalb des Bereichs aufhören, sofern die Gebrauchsanleitung nicht ausdrücklich etwas anderes erlaubt.
Warum Windstille auch schlecht ist
Es scheint logisch, dass kein Wind keine Abdrift bedeutet, doch Windstille, besonders in der Morgen- und Abenddämmerung und nachts, bedeutet oft eine Temperaturinversion. Ohne Durchmischung bleiben feine Tropfen in der Schwebe und können mit der schwächsten Luftbewegung in schwer vorhersehbare Richtung von der Fläche wandern. Bei ruhiger Luft ist auch die Windrichtung unzuverlässig. Eine gleichmäßige leichte Brise ist sicherer als gar keine.
Böen
Die mittlere Windgeschwindigkeit verbirgt Böen. Eine Vorhersage von 10 km/h mit Böen von 25 km/h ist ein ganz anderer Tag als gleichmäßige 10 km/h. Böen heben und tragen Tropfen unvorhersehbar, stören die Gestängeruhe und beeinflussen bei Drohnen die Flugsteuerung und das Spritzbild. Überschreiten Böen regelmäßig Ihre Windgrenze, behandeln Sie den Zeitraum als ungeeignet.
Windrichtung
Die Richtung ist genauso wichtig wie die Geschwindigkeit. Klären Sie vor dem Start, wo der Feldrand in Windrichtung liegt und was dahinter liegt: Wohnhäuser, Gärten, empfindliche Kulturen, Bienenstände, Gewässer. Planen Sie so, dass der Wind von diesen Bereichen wegweht, halten Sie die in der Gebrauchsanleitung verlangten Abstände ein und behandeln Sie den empfindlichsten Rand, wenn der Wind am schwächsten ist oder von ihm wegweht. Siehe Abdrift.
Wind ändert sich mit der Höhe
Die Reibung am Boden bremst den Wind in Bodennähe, deshalb nimmt die Windgeschwindigkeit in der Regel mit der Höhe zu. Wettervorhersagen geben den Wind meist in 10 m (etwa 33 ft) an – höher als das Gestänge einer Feldspritze und oft stärker als der Wind auf Gestängehöhe. Agrardrohnen fliegen niedriger als 10 m über dem Bestand, doch die Drohne selbst ist dem Wind in ihrer Flughöhe ausgesetzt, und der Rotorabwind wirkt mit dem Seitenwind zusammen. Ist der Wind am Boden schwach, in der Höhe aber stärker, fliegen höher freigesetzte Tropfen weiter. Siehe Wetter für Drohnenapplikation.
Weil Vorhersagen ein Gebiet beschreiben, messen Sie den Wind vor dem Start vor Ort mit einem Anemometer auf Ausbringhöhe, besonders nahe Baumreihen, Gebäuden und Hängen.
Weiterführende Literatur
- Effect of Major Variables on Drift Distances of Spray Droplets — Ohio State University Extension (englisch)
- Introduction to Pesticide Drift — US EPA (englisch)
In PulveCast
PulveCast prüft Windgeschwindigkeit und Böen jede Stunde gegen die Obergrenze Ihrer Technik: standardmäßig 25 km/h (etwa 15,5 mph), in den Einstellungen anpassbar, oder den Herstellergrenzwert, der für unterstützte Agrardrohnen automatisch geladen wird. Die Abdrift-Karte verschneidet diesen Wind dann mit Ihrer Tropfenklasse.
Weitere Ratgeber
- Delta T beim Spritzen: was es ist und warum 2 bis 8 °C
- Delta-T-Tabelle: so lesen Sie sie
- Temperaturinversion und Spritzen
- Abdrift: Ursachen und wie Sie sie reduzieren
- Die beste Tageszeit zum Spritzen
- Luftfeuchte und Taupunkt beim Spritzen
- Regen und Spritzen: Regenfestigkeit und Vorhersage
- Temperatur und Spritzen
- Tropfengröße und Düsenwahl
- Wetter für die Applikation mit Drohnen
- Kp-Index, RTK und GNSS für Drohnenpiloten im Pflanzenschutz
- Checkliste vor dem Spritzen
Häufige Fragen
Welche Windgeschwindigkeit ist am besten zum Spritzen?
Eine leichte, gleichmäßige Brise. Empfehlungen nennen häufig etwa 3 bis 15 km/h (rund 2 bis 10 mph) auf Ausbringhöhe, doch Gebrauchsanleitungen können einen eigenen Bereich festlegen, der Vorrang hat.
Darf ich spritzen, wenn gar kein Wind weht?
In der Regel wird davon abgeraten. Windstille deutet oft auf eine Temperaturinversion hin, in der feine Tropfen in der Schwebe bleiben und unvorhersehbar von der Fläche wandern können. Warten Sie auf eine leichte, gleichmäßige Brise.
Ist der vorhergesagte Wind derselbe wie an meinem Gestänge?
Meist nicht. Der vorhergesagte Wind wird üblicherweise für 10 m über Grund angegeben, wo er oft stärker ist als auf Gestängehöhe. Messen Sie vor dem Start vor Ort auf Ausbringhöhe.